1. Matinee

Two Singing Flutes

Die "Henus-Ode" des Berner Schriftstellers Ernst Eggimann von 1968 ist eine "Ode an die Freude trotzdem". Beim Titel "Two Singing Flutes" für das erste Neuguet Konzert des Jahres 2022 habe ich mich an seinen Leseabend erinnert, weil seine Ode von zwei Flötistinnen improvisierend begleitet wurde. Es war natürlich das Berndeutsche Gedicht "He-nu-so-de", was auf Gut-Deutsch mit "Na und? – dann ist es halt so!" übersetzt werden kann. Weil die Ode ein griechisches Gesangsstück ist, war auch das Bild der berühmten griechischen Vase mit der Doppelflöte beigebracht worden.

Dieses "Henusode" – Lesehilfe für Nicht-Berner: Betonung auf der zweiten Silbe – passt nun ausgezeichnet auf das hiesige Flötenpaar Brita Ostertag und Philipp Bachofner, welches trotz allem einfach weitermacht, trotz der vielen Umdispositionen wegen Corona-Einschränkungen, trotz der längeren Schliessung des Schlosses Rapperswil, wodurch die Wintersaison der Schlosskonzerte nach der zwanzigsten Folge abgebrochen werden musste, und trotz der noch immer provisorisch vorzunehmenden Engagements, weil dann doch noch irgendwelche Hindernisse als Corona-Nachwehen auftreten könnten. Trotzdem haben sie den Optimismus für das Organisieren und die Freude am Musizieren nicht verloren und werden wie immer, zusammen mit dem Pianisten und geschickten Arrangeur Edward Rushton, ein attraktives Konzertprogramm zur Eröffnung dieser "Trotzdem-Saison" präsentieren.

Übrigens: Der Titel "Two Singing Flutes" ist ja wohl vor etwa vier Jahren ins Spiel gekommen, als Brita und Philipp zusammen mit der Pianistin Arta Arnicane Mathias Rüeggs "Two Sinning Flutes" uraufgeführt haben; schon damals hat man über die "sündigen Flöten" gewitzelt und die "singenden Flöten" als moralische Alternative vorgeschlagen. Die vier Sätze erzielten aber einen beherzten Schlussapplaus; auch neueste Musik ist imstande, helle Begeisterung auszulösen – henusode!    

Jakob Knaus

Edward Rushton studierte Klavier und Komposition an der Chetham‘s School of Music in Manchester, an der Universität Cambridge und an der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow. 1998 zog er nach Zürich, um in der Meisterklasse von Irwin Gage Liedinterpretation zu studieren. 2001 schloss er mit Auszeichnung ab. Seit 2000 ist Edward Rushton Dozent für Klavierbegleitung an der Musikhochschule Luzern. Er hat mit verschiedenen SängerInnen, in Deutschland, Grossbritannien, Belgien, Frankreich, Polen, Griechenland und der Schweiz konzertiert. Er spielt auch in verschiedenen kammermusikalischen Formationen, und hat mehrere CDs eingespielt.

Auch als Komponist ist Edward Rushton gefragt. Zahlreiche Ensembles in Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz haben Stücke von ihm in Auftrag gegeben und aufgeführt. Seine Opern, die meisten zu Libretti von Dagny Gioulami, waren unter anderem in London, Birmingham, Zürich, Hannover, Kassel, Bregenz und Philadelphia zu hören. Einen besonderen Schwerpunkt seines Schaffens bilden seine Werke für Gesang und Klavier: er hat mehr als dreissig Liederzyklen und einzelne Lieder komponiert.

Rushton ist Preisträger der Conrad Ferdinand Meyer-Stiftung 2020.

Wir freuen uns auf Ihren Konzertbesuch.
Brita Ostertag und Philipp Bachofner

Rubrik:

Datum:
15. Mai 2022

Wo:
Heubühnen-Saal

Zeit:
11.00 Uhr

Preis:
VV/TK: CHF 50.–

Künstler: