ECHOS... 33. Saison 2026

5. Juli – "Toot Suite" mit Immanuel Richter und Patricia Ulrich
Es gibt Konzerte, die man…. aber lesen Sie zuerst zu Ende.
Das Extrakonzert vom 5. Juli versprach etwas Seltenes. Trompete und Klavier. Mit Streichern oder Flöten kennt man das Zusammenspiel, aber die Trompete bleibt im klassischen Musikbetrieb doch meist ein Orchesterinstrument. Immanuel Richter und Patricia Ulrich bewiesen, dass es auch anders geht und dass es durchaus viele spannende und überraschende Kompositionen für diese Zusammensetzung gibt. Und dies vor allem aus Frankreich, da seit langem alle, die in Paris Komposition studieren, zum Abschluss ein Werk für Trompete vorlegen müssen.
Beim Impromptu für Trompete und Klavier spurte das Tasteninstrument mit einigen Akkorden vor, bevor die Trompete sich dazu gesellte. Jaques Ibert war der Komponist und die Trompetenklänge wurden kurzzeitig mit einem Boogie Woogie Rhythmus untermalt. Jean Françaix trägt das Französische und damit die verbindende Klammer der Matinee schon im Namen. Seine Komposition reizt die virtuosen Möglichkeiten des Instruments beinahe ganz aus und verlangt neben Lautstärke und Tempo in der Sarabande auch ganz elegisches und ruhiges Trompetenspiel, fast ein Schlaflied. Doch für ein Nickerchen wäre es ja zu schade gewesen!
Patricia Ulrich spielte drei Estampes von Claude Debussy, einfühlsam und wunderbar anzuhören. Die Reise mit Debussy ging den Werktiteln nach von China über Spanien bis nach – Jardins sous la pluie – das wird wohl Paris gewesen sein.
Florent Schmitt war trotz seines deutsch klingenden Namens ein Franzose. Allerdings einer mit einer Liebe zum Nationalsozialismus deutscher Prägung und wird vielleicht deshalb selten aufgeführt. Seine musikalischen Vorstellungen sind allerdings komplexer und faszinierender als seine faschistische Gesinnung. Die Werke der 1857 geborenen Cécile Chaminade sind weitgehend in Vergessenheit geraten, durchaus zu Unrecht. Das Nocturne für Klavier solo entpuppte sich unter Patricia Ulrichs Händen zu einer mal tänzerischen, mal schwelgerischen Elegie, der man gerne noch länger zugehört hätte.
Claude Bollings Stücke aus seiner Suite «Toot Suite», die der Matinee auch den Titel gab, spielte Immanuel Richter mit dem Flügelhorn, der Klang ist weicher und schmelzender als die Trompete. Jazzig, mitreissend und überleitend zu durchaus an eine Alpenländische Volksmusik erinnernde Polka klang jetzt in der Heubühne und nicht nur das Publikum wollte noch mehr hören, auch die Spatzen rund ums Haus verstummten. Es gibt eben Konzerte, die würde man sehr gerne noch ein zweites Mal hören.

31. Mai 2026 – 1. Matinee mit dem Ensemble Zeitgeist
Eine strahlende Matinee mit ungewöhnlicher Besetzung
Donizettis wilder Auftakt zur Ouverture seiner Oper Don Pasquale wird gleich abgelöst von poetischen und lyrischen Passagen, die durchaus Lust auf die ganze Oper machen. In einem Arrangement des Pianisten und Komponisten Edward Rushton kommt die Musik in einem neuen Kleid daher, angepasst auf die Möglichkeiten des Ensemble Zeitgeist, verstärkt durch die beiden Flöten des Gastgeberpaares Brita Ostertag und Philipp Bachofner. Die Instrumente spielen sich dabei die Motive und Themen wie einen leichten Ball zu.
Tim Crawford, Violine, Alinka Rowe, Viola, Basile Ausländer mit dem Cello und der Pianist Martin Jollet haben zusammen studiert und vor wenigen Jahren abgeschlossen. So wie sie in der Heubühne aufgetreten sind, vermutlich mit Auszeichnung.
Gabriel Faurés erstes Klavierquartett eröffnet dramatisch mit grossen Gefühlsausbrüchen, doch im Scherzo tänzelt es dann fröhlich perlend über die Bühne und verrät noch nichts von der düsteren Dramatik des folgenden Adagios. Fahl scheint hier das musikalische Licht, düster wuchtig. Erst die Viola trägt die Klänge wieder und helles Strahlen, das im Finale seinen furiosen Höhepunkt findet.
Für den Schluss hat Edward Rushton noch aus der Arlesienne Suite von Georges Bizet fünf Motive für die Besetzung Klavierquartett plus zwei Flöten arrangiert, der Anfang und das Ende sind fast Ohrwürmer und dazwischen hat er geschickt weniger bekannte Themen gewählt, was dem Konzert einen frohen und vergnüglichen Abschluss schenkte.

10. Mai 2026 – Sonderkonzert mit Alexander Sahatci
Virtuose Eröffnung der 33. Saison im Neuguet
Mit Kreisler, Ravel, De Falla, Scriabin und Bach hat sich der erst 19-jährige Alexander Sahatci ein Programm zusammengestellt, das viel Abwechslung brachte und den grossen Gefühlen einen weiten Raum bot. Apropos 19-jährig: Die 33. Saison Konzerte im Neugut bietet über die ganze Spielzeit hinweg besonders jungen, aufstrebenden Künstlerpersönlichkeiten eine Plattform.
Sahatci eröffnete die Matinee denn auch mutig mit J. S. Bachs Italienischem Konzert wobei er nach dem wirbligen Allegro im folgenden Andante zu einem ruhigen Ausdruck fand und im abschliessenden Presto fröhlich, wie sich ein Wildbach über die Felsen stürzt, zum Finale kam.
Scriabins Fantasie Op. 28 entführt in eine ganz andere Welt. Mit donnernden Bässen lotet er die Möglichkeiten des Flügels aus und nur hier und da blitzen wie in einem Gewitter Diskantakkorde dazwischen. Kraftvoll meisterte der junge Musiker die Hürden, die sich ihm hier boten.
Doch dann folgte die eigentliche Überraschung des Morgens. In der Folge vertauschte Sahatci das Klavier mit der Geige, auf der er ebenso virtuos unterwegs ist wie auf dem Tasteninstrument. Eugène Ysaÿes tief emotionale Sonate Nummer 4 meisterte er grossartig und mit viel Leidenschaft. Und wenn schon eine Komposition des Jahrhundertgeigers Fritz Kreisler zu spielen, wählte er geschickt ein wenig bekanntes Rezitativ Kreislers aus, das den Schwerpunkt nicht auf reine Virtuosität, sondern auch auf Innerlichkeit und Ruhe legt.
Zurück am Klavier stand Maurice Ravels Jeux d’ Eau auf dem Programm und wiederum klang eine quirlige Musik im Raum, Wasserspielen nachträumend und die Phantasie anregend.
Den Schluss machte Manuel De Fallas Danza Ritual da Fuega, ein stampfendes, feuriges Ballettstück, donnernd wiederum und ein Bravourstück um sich für weitere Konzerte zu empfehlen.